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Google Tango – die nächste digitale Revolution?

Google Tango befähigt mobile Geräte wie Smartphones, Phablets und Tablets ihre relative Position zur Außenwelt ohne GPS oder andere signalbasierte Ortungstechnologien zu ermitteln und dreidimensional zu vermessen. Mittels mobiler Apps stehen dem Nutzer Funktionen wie Innenraum-Navigation, Vermessung realer Gegenstände oder Anwendungen für erweiterte bzw. virtuelle Realität zur Verfügung. Sind diese Apps nur Spielereien oder löst Google damit die nächste digitale Revolution aus?

Wie funktioniert Google Tango?

Man kann Google Tango nicht einfach auf sein Smartphone laden und loslegen. Man benötigt ein mobiles Gerät mit spezieller Time-of-Flight Tiefenkamera (3D Kamera), die mit Laserdioden gepulstes Infrarotlicht in den Raum schickt und mit ihrem Time-of-Flight-Sensor für jedes Pixel den Abstand ermittelt. Ausserdem benötigt das mobile Gerät eine (konventionelle) RGB-Kamera, eine Infrarot-Lichtquelle, eine Foto-LED, ein Gyroskop und eine zusätzliche Weitwinkel-Kamera, die dem Gerät  dabei hilft, bei schnellen Kameraschwenks nicht den Faden beim Stitching zu verlieren. Google Tango führt die Daten aus Infrarotemittern und -empfänger, Kamera, Beschleunigungssensor und Gyroskop zusammen.

Durch die drei Technologien Bewegungserfassung, Tiefenwahrnehmung und sogenanntes Area Learning kann das Gerät die Welt kartografieren und visualisieren. Durch die Bewegungserfassung kennt das Gerät seine eigene Position im dreidimensionalen Raum,  Area Learning verrät dem Gerät seinen Standort und die Tiefenwahrnehmung lässt das Gerät die Formen in seiner Umgebung analysieren und Oberflächen oder Hindernisse erkennen.

Google Tango gab es bis jetzt nur in zwei  Entwicklergeräten, in einem Smartphone (Codename “Peanut”) und einem 7-Zoll-Tablet (Codename “Yellowstone”).

Google Tango Entwicklerkit
Google Tango Entwicklerkit

Im September wird Lenovo das PHAB2 Pro, dass erste Smartphone mit Google Tango für 499 Euro in den Handel bringen.

Lenovo PHAB2 Pro mit Google Tango und der kleinsten 3D-Kamera der Welt
Lenovo PHAB2 Pro mit Google Tango und der kleinsten 3D-Kamera der Welt

Zwei Deutsche Videos zum Lenovo Phab2 Pro mit Google Tango kannst du dir bei Heise.de anschauen.

Ob das Lenovo Phab2 Pro und andere Google Tango Geräte letztlich von den Nutzern angenommen werden, entscheidet vor allem die Verfügbarkeit nützlicher Apps.

GoogleTango Apps

Bis jetzt gibt es nur eine handvoll Google Tango Apps. Zur Markteinführung vom Lenovo PHAB2 Pro sollen 25 Google Tango Apps zur Verfügung stehen, bis Jahresende bereits 100 Apps. Da Google Tangos Partnerschaft mit Lenovo nicht exklusive ist, wird davon ausgegangen, dass in 2017 mehrere Anbieter Google Tango Smartphones auf den Markt bringen werden. Dadurch steigt natürlich der Anreiz der Entwickler, mehr Apps anzubieten.

Im Moment gibt es ein paar Spiele, die über die reale Umgebung gelegt werden. So kann man beispielsweise eine virtuelle Dominobahn im Kinderzimmer aufbauen und Asteroiden erobern, 3D Puzzle im Wohnzimmer lösen, in einem Geisterhaus Rätsel knacken oder eine Alieninvasion stoppen.

Google Tango Alien
Google Tango Alien

Auch ein paar nette Simulationen gibt es bereits. So kann man eine Fantasiewelt (Woorld) in den eigenen vier Wänden erschaffen.

Google Tango App “Woorld”
Google Tango App “Woorld”

Oder einen Dinosaurier als neues Haustier sein Eigen nennen.

Google Tango App “Dinosaurs Among Us”
Google Tango App “Dinosaurs Among Us”

Oder das gesamte Sonnensystem ins Wohnzimmer projizieren.

Google Tango App “Solar Simulator”
Google Tango App “Solar Simulator”


Es gibt aber auch bereits ein paar nützliche Apps. Tango Constructor, Phi3D und der 3D Scanner erstellen 3D-Modelle von Objekten und Räumen, indem man sie mit dem Google Tango Gerät abfilmt.

3D Scan eines Treppenhauses mit der Google Tango App “Phi3D”
3D Scan eines Treppenhauses mit der Google Tango App “Phi3D”

Innenarchitekten, Handwerker und Otto-Normalverbraucher  können mit Tango MeasureIt  sehr leicht Räume und Möbel vermessen und Aufmaße für Handwerker-Arbeiten erstellen.

Google Tango App “MeasureIt”
Google Tango App “MeasureIt”


Verschiedene Möbelhäuser bieten Apps an, mit denen man virtuelle Möbelstücke und andere Gegenstände in der Wohnung platzieren kann. Somit kann man herausfinden, ob z.B. ein grösseres Bett in das Kinderzimmer passt. Auch ein leeres Zimmer kann man komplett virtuell einrichten oder ausprobieren, ob ein Teppich oder Holzfussboden besser zur Wohnzimmereinrichtung passt. Auch die Farbe, Struktur und das Muster der Tapete kann man virtuell mit einem Klick ändern. Anschliessend kann man die Produkte direkt über die App bestellen. Im Moment gibt es diese App nur für das amerikanische Möbelhaus Wayfair. Der amerikanische Baumarkt Lowe’s ist mit einer eigenen App auch bereits in den Startlöchern.

Google Tango App “Wayfair”
Google Tango App “Wayfair”


Da dies eine sehr praktische Anwendung der Google Tango Technologie ist, kann man davon ausgehen, dass es bald auch eine IKEA Tango App geben wird.

Trotz einiger praktischer Apps: Eine Killer-Anwendung für Google Tango zeichnet sich bislang nicht ab. Stellt sich die Frage: Wozu braucht man Google Tango als Normal-Anwender eigentlich? Für mehr als Freunde und Bekannte beeindrucken vermutlich erstmal nicht.

Das meiste Potenzial für Normal-Anwender steckt sicherlich in der Indoor-Navigation in komplizierten Umgebungen wie Flughäfen aber auch Supermarkt, Einkaufszentren und Museen. Dem Nutzer können nicht nur der Weg, sondern auch zusätzliche Informationen, z.B. Sonderangebote im Supermarkt oder Erläuterungen zu Gemälden im Museum angezeigt werden.

Google Tango Indoor Navigation im Supermarkt
Google Tango Indoor Navigation im Supermarkt

Bereits im Februar präsentierte Google Tango eine Demo mit seinem Entwicklertablet im Museum in Barcelona. Den Nutzern wurden Zusatzinformationen per Augmented Reality (AR) angeboten.

Im Museum werden zusätzliche Informationen zu den Gemälden angezeigt
Im Museum werden zusätzliche Informationen zu den Gemälden angezeigt

 

Da sich solche kostspieligen Anwendungen aber erst ab einer kritischen Masse lohnen, müssen wir uns wahrscheinlich erst einmal mit 3D Spielen und Simulationen die Zeit vertreiben. Zur Not können wir unsere Wohnung  jeden Tag neu virtuell gestalten inklusive Dominobahn, Dinosaurier und Solarsystem.

Published in Apps Consumer Technology

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