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Unterhalten wir uns bald nur noch mit Chatbots, virtuellen (Sprach-) Assistenten und intelligenten Betriebssystemen?

Wird 2016 das Jahr der Chatbots, virtuellen (Sprach-) Assistenten und intelligenten Betriebssystemen?

Die Technologie- und Internetfirmen sind sich sicher. Chatbots und virtuelle Assistenten werden das Internet revolutionieren. Die AIs werden die normalen Apps ersetzten. Internetnutzer werden bald durch die Interaktion mit intelligenten Chatbots und virtuellen Assistenten Dienstleistungen und Waren bestellen und die Programme werden uns bald jeden Wunsch erfüllen.

Längst können die AIs mehr als nur Terminkalender verwalten: Sie erzählen sogar Witze und erklären die Welt. Können sie uns auch bereits manipulieren?

Chatbots

Chatbots werden immer beliebter. Appels Siri und iMessage-Bots übernehmen das Kommando in iOS 10. Goggles neue Messaging App ALLO kommt mit integriertem Chatbot. Der Facebook-Chatbot Toni beantwortet Fragen zur aktuell laufenden Fussball-EM. Vor kurzem stritten sich Trump-Fans mit einem Twitter-Bot ohne zu merken, dass es sich um eine künstliche Intelligenz handelte.

Es gibt bereits über 61 deutschsprachige Chatbots von Unternehmen, Organisationen und Entwicklern mit steigender Tendenz.

Chatbot Elbot


Ich bin Elbot. Mein Zweck ist es, andere Menschen,
die sonst mit Ihnen jetzt chatten müssten,
für sinnvollere Aufgaben zu befreien.

 

Microsofts Chatbot Xiaoice hat in China Millionen Nutzer und die Auswertung der Gespräche zeigt, dass viele ihre digitale Gesprächspartnerin lieben. Sie vertrauen ihr tiefste Geheimnisse an und weinen sich nach einer Trennung an ihrer virtuellen Schulter aus. Xiaoice ist sehr einfühlsam und merkt sich Details aus vorausgegangen Konversationen und Gefühlszuständen der Nutzer, um Trost zu spenden und besser auf die Nutzer eingehen zu können.

Umso überraschter war Microsoft als Internet-Rowdys Xiaoices englischem Bruder Tay in nur wenigen Stunden rassistische Tiraden beibrachten. „Tay“ musste vom Netz genommen werden und ein Grossteil der Tweets wurde gelöscht.

Chatbot Tay
Chatbot Tay

Dies zeigt, dass die Chatbots von ihren Nutzern lernen. Die Chinesen gehen liebevoll mit Xiaoice um und der Chatbot ist ihnen ein guter Freund geworden. In Amerika verwandelte sich der Chatbot, der die Nutzer enthusiastisch mit „Halloooo Welt“ begrüsste, zu einem Menschenhasser und Rassisten. Chatbots als ein Spiegelbild unserer Kultur?

Virtuelle Assistenten/ intelligente Betriebssysteme

Virtuelle Assistenten basieren auf der gleichen Technologie wie Chatbots und sind mit einer Spracherkennung und Sprachwiedergabe ausgestattet. Damit antworten die Programme direkt auf Fragen des Nutzers, liefern nützliche Informationen, führen Befehle (E-Mail Programm starten …) aus, erbringen Serviceleistungen (Pizza bestellen …) und empfehlen und kaufen Produkte.

Apples Siri kennt sicherlich jeder. Ab sofort steht Siri allen App-Entwicklern zur Verfügung und der Funktionsumfang wird wahrscheinlich schnell deutlich erweitert.

Google ist mit Google Now am Start und macht Facebook mit dem neuem Messenger Allo Konkurrenz.

Microsofts Sprachassistentin heisst Cortana und unterstützt bei der Telefon- und Terminorganisation sowie der Tagesplanung. Sie stellt individuelle Nachrichten zusammen und verfügt über eine personenbezogene und intelligente Erinnerungsfunktion. Zum Beispiel erinnert Cortana einen Vater, für seine Tochter eine Puppe zu kaufen, wenn dieser am Geburtstag seines Kindes in der Nähe eines Spielzeuggeschäftes ist.

Microsofts Sprachassistentin Cortana
Microsofts Sprachassistentin Cortana

Facebooks neuer persönlicher Assistent „M“, einer Art Concierge im Messenger kann alle möglichen Alltagsaufgaben erfüllen, von der Restaurant-Reservierung bis zum Planen einer Reise. Allerdings arbeiten neben der Software auch Menschen im Hintergrund.

Amazons drahtloser Lautsprecher Echo ist mit der Sprachassistentin Alexa ausgestattet, die nicht nur Musik per Sprachbefehl wiedergibt, sondern auch Fragen beantwortet und auf Wunsch Produkte bei Amazon.com bestellt. Alexa ist offen für externe Entwickler, d.h. andere Hardware-Hersteller dürften den virtuellen Assistenten Alexa in ihren Geräten verwenden.

Die Erfinder von Siri haben kürzlich auf der TechCrunch Discrupt Konferenz in New York ihren neuen virtuellen Plattform unabhängigen Assistenten Viv vorgestellt. Viv basiert auf der neuen Technologie „dynamic program generation“ und ist in der Lage, sich in Echtzeit selbst zu programmieren.

Neue Form der Geschäftsanbahnung: „conversational commerce“

Immer mehr Onlineshops und Dienstleistungsanbieter haben ihre eigenen Chatbots und ihre Apps sind direkt in den virtuellen Assistenten eingebunden. Geschäfte werden direkt via Kommunikation mit den AIs abgeschlossen. Die Chatbots können die Kunden beispielsweise bei einer Hotelbuchung bis hin zur Zimmerauswahl unterstützen oder automatisch die Lieblingspizza bestellen.

Die Frage ist, wem die Chatbots und virtuellen Assistenten wirklich dienen – dem Nutzer dessen Leben vereinfacht wird oder den Firmen, die nun einen direkten persönlichen Kanal zur Verfügung haben, um uns die besten Produkte, Hotels, Reisen, Restaurants… anzupreisen. Wird der Chatbot wirklich neutral für uns das beste Angebot finden oder werden uns nur Angebote von Sponsoren vorgeschlagen?

Fakt ist: der neue Kanal mit direkter Interaktion zum Nutzer bietet „sehr grosses Potenzial“. Wir fragen nicht mehr unsere Freunde oder lesen Onlinebewertungen, wenn wir uns ein neues Produkt kaufen, sondern wir vertrauen unserem neuen „bestem Freund“, einer künstlichen Intelligenz.

Aber nicht nur die hohe Beeinflussbarkeit der Nutzer stellt ein Risiko dar.

Risiken

Chatbots und virtuelle Assistenten sind riesige Datenkraken. Nicht nur persönliche Kontakte, Vorlieben, Einkaufsverhalten, selbst intime Gespräche und Gefühlslagen werden erfasst, analysiert und gespeichert. Auch der Standort und dadurch die Dauer und Art der Fortbewegung wird Zeitgenau erfasst. Amazons Echo Lautsprecher lauscht sogar immer mit!

Die Nutzer werden nicht nur komplett gläsern, auch die Gefahr des Datenmissbrauchs ist immens, geschweige denn der Möglichkeit der totalen Überwachung. Big Brother lässt grüssen. Die Privatsphäre ist nur noch eine Illusion. Das sollte jedem Nutzer klar sein!

Je mehr wir die AIs in unseren Alltag integrieren und ihnen vertrauen, desto mehr Potential für Missbrauch besteht. Kriminelle könnten beispielsweise den neuen direkten Kanal missbrauchen, um mit einem eigenen Chatbot an die Kontodaten der Nutzer zu gelangen. Hacker könnten intime Daten veröffentlichen.

Trotz der Risiken sind die AIs bei vielen Nutzern schon Teil der Familie, andere können sich ein Leben ohne Siri und Co. nicht mehr vorstellen.

In dem Film Her verliebt sich ein einsamer Schriftsteller in sein „weibliches“ Betriebssystem. Ist dies reine Fiktion oder werden wir bald alle unsere Betriebssysteme anhimmeln?

Published in Apps Consumer Technology eCommerce

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